Kraftstoff aus der Mülltonne

Statements von Chris Iggo, CIO Core Investments bei AXA IM

Mit der Zeit wird immer deutlicher, was getan werden muss, um den Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft zu beschleunigen. Neben den technologischen Fortschritten werden hierbei auch wirtschaftliche und makropolitische Entwicklungen wichtige Rollen einnehmen, welche im Zusammenspiel die Transformation zu einer grüneren Zukunft gestalten werden. Die umfassenden Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette der gesamten Wirtschaft bieten sowohl Chancen als auch Risiken, und sollten bei jeder künftigen Investitionsentscheidung berücksichtigt werden.

Fahrplan

Die internationale Energieagentur (IEA) zeigt in ihrem vor kurzem veröffentlichen Bericht (Net Zero by 2050) auf, wie eine kohlenstofffreie Wirtschaft und eine damit einhergehende Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden können. Hervorzuheben sind hierbei zwei bedeutende Punkte. Zum einen weist die IEA darauf hin, dass die bisher gemachten Verpflichtungen zur globalen Emissionsreduktion weiterhin deutlich hinter den Anforderungen zurückbleiben. Zum anderen befinden sich fast die Hälfte der erforderlichen Technologien für die Reduktion der Emissionen bis 2050 noch in der Entwicklungs- beziehungsweise Prototypphase. Sowohl existierende als auch zukünftige Technologien werden also noch umfassende Investitionen benötigen, um die ausgegebenen Ziele zu erreichen

Mehr und mehr

Des Weiteren benötigt die Verwirklichung der neuen „Null-Ambitionen“ tiefgreifende Maßnahmen, die sich von reiner Technologieentwicklung bis hin zu grundlegenden Verhaltensänderungen und einem politischen Wandel erstrecken. Insbesondere die Dringlichkeit, diese Maßnahmen zu beschleunigen werden in dem Bericht gezielt betont, und der Veröffentlichungstermin kurz vor der UN-Klimakonferenz ist sicherlich auch kein Zufall. Die IEA betont in der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger Maßnahmen, die Ausgaben in der Forschung und Entwicklung für nachhaltige Energiequellen aufstocken sollen, um die bereits bestehenden Aktivitäten des privaten Sektors zu unterstützen.

ESG in der Praxis

Ein Teil der angesprochenen Maßnahmen stellt auch die Abkehr von der Nutzung fossiler Brennstoffe dar. Gerade in dieser Woche gab es zwei interessante Entwicklungen, die zeigten, welche Bedeutung „ESG“-Investitionen mittlerweile zukommen können. So wurde zum einen ein europäisches Ölunternehmen per Gerichtsurteil in den Niederlanden zu einer Beschleunigung der Emissionsreduzierung beordert. Zum anderen ist hier ein Fall aus den USA zu nennen, bei dem ein großer Ölkonzern Gegenstand von Investoren-Aktivismus wurde, und die Geschäftsführung zur Diversifizierung gezwungen wurde. Auch durch solche Entwicklungen lässt sich die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen, und wir erwarten, auch in Zukunft solche Fälle vermehrt anzutreffen.

Neue Brennstoffe

Sofern die IEA Prognose ein realistischer Fahrplan ist wird deutlich, dass Ölfirmen ihre Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen müssen, um die freigewordenen Kapazitäten auf erneuerbare Energien zu fokussieren. Unter anderem bieten alternative Kraftstoffe, wie das Sustainable Aviation Fuel (SAF), große Potenziale. Bei der Entwicklung nachhaltiger Flugkraftstoffe wird versucht, Öl durch andere "Einsatzstoffe" zu ersetzen, und treibhausrelevante Emissionen zu verringern. Ebenso scheint die Nutzung von Wasserstoff zur Herstellung von Kraftstoffen weitreichende Möglichkeiten zu bieten, erste Projekte in Chile könnten hierbei weitere Erkenntnisse zur Herstellung kohlenstoffneutraler Treibstoffe liefern. Steigender Druck durch Aktionäre, Gläubiger oder Regulierungsbehörden auf der einen und der Reiz, sich durch die Entwicklung bahnbrechender Technologien hervorzutun auf der anderen Seite, ebnen den Weg zu einem langfristigen profitablen Wachstum für führende Technologieunternehmen.

Übergangsfinanzierungen

Doch selbst erfolgreiche Technologien weisen Schwierigkeiten in der Skalierung auf, auch bereits bewährte Techniken werden in keinem ausreichenden Umfang eingesetzt, um die „Net Zero“-Anforderungen zu erfüllen. Doch hieraus bietet sich für Investoren eine Chance, mit speziellen Aktienstrategien von den Unternehmen zu profitieren, die den Übergang aktiv mitgestalten. Insbesondere die Vorreiter dieses Übergangs sollten hierbei im Fokus stehen.

Vorteile

Die Energiewende könnte zudem bedeutende strukturelle Veränderungen in der Wirtschaftsgeografie anstoßen, da fossile Brennstoffe nur auf bestimmte Orte der Welt verteilt sind, und ihr weltweiter Transport immense Treibhausgasemissionen verursacht. Eine Durchbrechung der traditionellen Energiewertschöpfungskette könnte somit schon dazu beitragen, die Gesamtemissionen zu verringern. Erneuerbare Energien sind schließlich dezentral verfügbar, was sich positiv auf den Transportbedarf, Störanfälligkeit und Preisvolatilität auswirken dürfte. Die Energieversorgung kann somit potenziell demokratischer, breiter verteilt und preisstabiler sein. Die digitale Technologie, die solche "intelligente Netze" steuern wird, ist eine weitere fruchtbare Quelle für Investitionsmöglichkeiten.

Mehr Geld, mehr Jobs

Doch der nötige massive Umschwung wird auch in Zukunft große Anforderungen an Fachkräfte stellen. Hierbei müssen zwingend öffentliche Gelder ausgegeben werden, um Arbeitsplätze in der Übergangswirtschaft attraktiv zu machen. Große Projekte werden insbesondere in der Infrastruktur anstehen, bei denen gut etablierte Bau- und Ingenieurbüros an vorderster Front stehen werden. Der Bedarf an diesen spezialisierten Arbeitskräften in der Wissenschaft und Entwicklung für die Erreichung der „Net-Zero“-Ziele wird auch in Zukunft zunehmen, und politische Entscheider müssen mit gezielten Anreizen ihren Beitrag auf dem Arbeitsmarkt leisten.

Langfristige Sichtweise behalten

Die globalen Temperaturen steigen, und auch wenn wir uns auf ein Ziel in dreißig Jahren in der Zukunft konzentrieren, ist es klar, dass wir die Reduzierung der Emissionen bereits heute beschleunigen müssen. Doch verschiedene Stimmen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Politik und Finanzindustrie. Während zum einen ausschließlich die Inflationskontrolle als Kompetenz der Zentralbanken gefordert wird kann auch argumentiert werden, dass Finanz- und Währungsbehörden Rahmenbedingungen für akzeptable Renditen bei langfristigen Transformationsprojekten schaffen sollten. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Energiewende wachstumsfördernd ist und, wenn wir klug sind, auch andere Themen wie Gleichberechtigung mitgestalten kann. Aber das Hauptziel muss sein zu verhindern, dass wir den Planeten ersticken, denn schlussendlich ist das die größte wirtschaftliche Externalität von allen.

ENDE

Kontakt
AXA Investment Managers                         Kerl & Cie
Elke Schaller                                                    Samir Djikic & Dirk Ulmer
+41 58 360 78 78                                            +49 69 870 021 516
elke.schaller@axa-im.com                        axa@kerlundcie.de 

Besuchen Sie uns auf www.axa-im.de, www.axa-im.at und ww.axa-im.li 

Über AXA Investment Managers
AXA Investment Managers (AXA IM) ist ein verantwortlicher Assetmanager. Wir investieren aktiv im besten langfristigen Interesse unserer Kunden, Mitarbeiter und der Gesellschaft. Mit unserem überzeugungsgeleiteten Ansatz finden wir die aus unserer Sicht interessantesten alternativen und traditionellen Anlagen. Zu Ende März 2021 betrug unser verwaltetes Vermögen rund 869 Milliarden Euro. AXA IM ist ein führender Investor im Bereich grüne, soziale und nachhaltige Anlagen. Wir verwalten 555 Milliarden Euro Vermögen in ESG integrierten Anlagen, in Nachhaltigkeits- und in Impact-Strategien. In allen Strategien streben wir bis 2050 netto null Emissionen an. Stets wollen wir die ESG-Grundsätze einhalten – von der Aktienauswahl über unsere geschäftlichen Entscheidungen bis hin zu unserer Kultur. Wir wollen unseren Kunden verantwortliche Investmentlösungen mit erkennbarem Nutzen für Gesellschaft und Umwelt bieten. AXA IM beschäftigt über 2 440 Mitarbeiter weltweit, hat 27 Niederlassungen in 20 Ländern und ist Teil der AXA Group, eines Weltmarktführers für Versicherungen und Assetmanagement.

Allgemeine Hinweise
Nur für professionelle Kunden / nicht für Privat-/Kleinanleger. Bei diesem Dokument handelt es sich um Werbematerial und um kein investmentrechtliches Pflichtdokument.
Anlagen enthalten Risiken, einschließlich dem des Kapitalverlustes. Die hier von AXA Investment Managers Deutschland GmbH bzw. mit ihr verbundenen Unternehmen („AXA IM DE“) bereitgestellten Informationen stellen weder ein Angebot zum Kauf bzw. Verkauf von Fondsanteilen noch ein Angebot zur Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen dar. Die Angaben in diesem Dokument sind keine Entscheidungshilfe oder Anlageempfehlung, (aufsichts-) rechtliche oder steuerliche Beratung durch AXA IM DE, sondern werden ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die vereinfachte Darstellung bietet keine vollständige Information und kann subjektiv sein. Dieses Dokument dient ausschließlich zu Informationszwecken des Empfängers. Eine Weitergabe an Dritte ist weder ganz noch teilweise gestattet. Wir weisen darauf hin, dass diese Mitteilung nicht den Anforderungen der jeweils anwendbaren Richtlinie 2004/39/EG bzw. 2014/65/EU (MiFID/ MiFID II) und der zu diesen ergangenen Richtlinien und Verordnungen entspricht. Das Dokument ist damit für jegliche Form des Vertriebs, der Beratung oder der Finanzdienstleistung nicht geeignet. Wertentwicklungsergebnisse der Vergangenheit bieten keine Gewähr und sind kein Indikator für die Zukunft. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen und fallen und werden nicht garantiert. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen, Daten, Zahlen, Fakten, Meinungen und Aussagen beruhen auf unserem Sach- und Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen wird nicht übernommen. Informationen über Mitarbeiter von AXA Investment Managers dienen lediglich Informationszwecken und sind stichtagsbezogen. Ein Weiterbeschäftigungsverhältnis mit diesen Mitarbeitern wird nicht garantiert. Ref-21198, Stand: 31. Mai 2021 © AXA Investment Managers. Alle Rechte vorbehalten.